Blutiges Weihnachtsgeschenk
Sonntag, 14. März 2010 um 08:10 Uhr

[von Antonia Mamic & Elizabeth Michelini, RSU Unterpfaffenhofen, veröffentlicht auf textspirit.de]

Einleitung        (als Hörspiel -->) 


Es roch nach weißer Farbe. Weiß, wie die Praxis in der sie gedankenverloren saß. Doch plötzlich wurde sie aus ihrem Tagtraum gerissen, da die Krankenschwester ihren Namen rief: "Hannah Pitt, bitte!" und sie ins Sprechzimmer bat. Dort erwartete sie schon ein etwas älterer Herr mit Vollbart, Brille auf der Nasenspitze und kariertem Polunder. "Typisch Psychologe", dachte Hannah sich.

Er starrte sie an, als wollte er sie durchleuchten. Doch das Mädchen war anders, es wusste, dass es kein offenes Buch war. Besonders nicht für ihn! Hannah glaubte er unterschätze sie, mit ihren 15 Jahren war sie reifer als er dachte. Hier war es nicht wie im Sprechzimmer der Schulpsychologin nur mit Stühlen bestückt. Es war auf der roten Ledercouch, auf der sie sich zähneknirschend gesessen hatte, viel gemütlicher. Er sagte: "Am Telefon erzähltest du schon, dass es Weihnachten war. Ihr saßt an Heilig Abend zusammen im Wohnzimmer und habt Weihnachtslieder gesungen. Doch diese Nacht wurdest du aus deinen kindlichen Träumen gerissen." "Richtig, weil ich in der Küche Geräusche hörte", fügte sie hinzu.

Er bat die 15-jährige den nächsten Teil ihrer Geschichte zu ergänzen. Sie berichtete weiter: "Ich ging die Treppen entlang vom Mondlicht geführt, in der Hoffnung, das Gepolter käme vom Weihnachtsmann. Denn ich glaubte, er würde meine Geschenke unter den Baum legen. Mit mulmigem Gefühl ging ich den Flur entlang und kam zur Küchentür, war dabei weiterzugehen, doch da tropfte was vom Türknauf." In diesem Moment riss sie der Seelenklemptner aus ihren schrecklichen Erinnerungen. "Und dies ist wirklich passiert?", fragte er erstaunt. "Nein!", antwortete seine Patientin, "Das war nur ein Traum." Die nächsten Sitzungen sollten sich jedoch viel dramatischer abspielen.

Am nächsten Tag begab Hannah sich an den nun so bekannten Ort, den sie früher so gemieden hatte. Der Psychologe meinte, es würde ihr helfen, doch die Angst, die sie versuchte zu unterdrücken, stieg wieder in ihr hoch. Da ihr Ziel zu weit hinten lag, zog das Mädchen sich wieder auf die rote Couch zurück. Es wurde wieder in seine Erinnerungen gedrängt: "Den Tag darauf stand ich schreiend und schweißgebadet auf. Da kamen meine Eltern zur Tür rein und wollten mir wirklich weismachen, dass das nur ein Traum war. So ein Quatsch! Da hatten sie sich echt geirrt, denn das nächste Weihnachten war es wieder so, doch ich hatte es mir nicht eingebildet." Er fragte Hannah, ob sie sich entschieden hatte, die Tür zu zulassen oder zu öffnen.

Wie soll die Geschichte weiter gehen? Entscheide Dich!

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