|
JPAGE_CURRENT_OF_TOTAL Das Ende vom Lied
[von Mic Schneider, veröffentlicht auf textspirit.de]
Jeder hat es schon einmal gehört oder gelesen, das berühmt berüchtigte „Copy kills music“. Doch die wenigsten wissen wirklich um dessen Bedeutung. Die deutsche Übersetzung dieses Slogans macht das ganze Ausmaß der Tragödie schon deutlicher: „Kopieren tötet Musik“. So krass sich das anhören mag, so entspricht es doch der Wahrheit. Wir alle erfreuen uns an den Errungenschaften der modernen Technik. Internet, Brenner, Bluetooth, Mp3-Handys, I-pods und der gleichen mehr, sorgen für Entertainment und Datenaustausch auf Schritt und Tritt. Musik und Videos sind nach Belieben immer am Start. Doch hier verhält es sich auch leider wie mit den Einsatzmöglichkeiten eines Hammers. Man kann einen Hammer dazu benutzen um einen Nagel in die Wand zu schlagen oder man demoliert damit das Auto des Nachbarn. Es hängt immer vom Benutzer ab, wie er sein Werkzeug einsetzen will. Mit erhobenen Zeigefinger predige ich von meiner Kanzel und ermahne das Volk: Wer unerlaubt Songs downloadet, kopiert und weitergibt, könnte auch genauso gut in die CD-Abteilung von Media Markt gehen, sich dort 10 oder 15 CDs raussuchen und einfach mitnehmen, ohne diese zu bezahlen. Es ist schlicht und ergreifend Diebstahl! Was? Höre ich da Widerspruch?! Ok, ein Beispiel. Vier Schüler der RSU Unterpfaffenhofen gründen eine Band. Um es noch greifbarer zu machen, bist Du lieber Leser, einer dieser Bandmitglieder. Voll Begeisterung trifft man sich Woche für Woche im Übungsraum, schreibt Songs und Texte und übt auch zusätzlich zuhause die Abläufe der einzelnen Lieder. Der Bassist und der Gitarrist spielen sich die Finger wund, der Schlagzeuger verarbeitet tonneweise seine Drumsticks zu Kleinholz und die Sängerin plagt sich von einer Heiserkeit zur nächsten. Die Songs handeln von großen Gefühlen, von Klagen an die Welt und den Gedanken einer ganzen Generation. Nach 12 Monaten harter Arbeit (während andere zum Abfeiern oder ins Freibad gingen, schraubte die Band in einem fensterlosen muffigen Übungsraum an ihren Werken) stehen 10 Songs auf die man stolz ist. Es folgt der erste Auftritt, welcher trotz Nervosität gut beim Publikum ankommt. Die Band träumt vom großen Durchbruch und davon, auf allen Titelblättern zu stehen, kreischende Fans mit Autogrammen zu versorgen und mit einem Hit den Reichtum dieser Welt zu ergattern. Klingt gut, oder?! ;-) Doch um das alles zu erreichen muss man erstmal seine erste CD an den Start bringen, um diese auch millionenfach verkaufen zu können. Die Band will und muss natürlich in ein Tonstudio um dort ihre legendären Songs aufzunehmen, dann das Design für die CD gestalten und schließlich die CDs pressen lassen. Man ahnt es schon, nix gibt’s umsonst. All diese nötigen Aktivitäten kosten richtig Kohle. Woher nehmen?! Man plündert die Sparkonten, pumpt Eltern und Verwandte an und kratzt so seine letzte Mücken zusammen, um seinen Traum zu verwirklichen. An dieser Stelle schmeiße ich mal eine Zahl von ca. 5000 Euro in den Raum. (das entspricht einem Happy-Hour-Preis von 20 Tagen Studioarbeit, 1000 gepressten CDs, Mastering und vielleicht noch 1000 Flyern). Die Vorinvestitionen für Instrumente, Bandraummiete, Unterricht, etc. sind hier nicht eingerechnet. Soweit so gut. Ihr habt also als Band 5000 Euro für 1000 CDs investiert und wollt die CDs für 10 Euro je Stück verkaufen. Wenn ihr also 500 CDs verkauft habt, sind die Kosten der Band wieder eingenommen, mit den restlichen 500 Stück wird so richtig Gewinn gemacht. ( Keine Angst, das wird jetzt keine Textaufgabe ;-)). Der Marktleiter vom Techno Markt Germering ist ein Fan eurer Musik und erlaubt euch, die CDs in seinem Laden zum Verkauf anzubieten. Ganz stolz besucht die Band jeden Tag die Techno Markt Filiale und ergötz sich an dem Anblick, die eigene CD zwischen den bereits bekannten Pop-Künstler zu sehen. Nach ein paar Wochen kennen viele euren Namen und eure Musik. Aus unzähligen Mp3-Handys dröhnt der Sound der Band auf den Schulhöfen. Siegessicher macht sich die Band auf zum Techno Markt um groß abzurechnen und Kasse zu machen. Schließlich dürfte von 1000 CDs fast nix mehr auf Lager sein. Alles verkauft! Doch der Marktleiter hat eine gute und eine schlechte Nachricht für euch. Die gute zuerst: „Wir haben nur noch 300 Stück. Scheinbar kommt eure Musik toll an.“ Und dann die schlechte: „Von den 700 CDs die weg sind, wurden nur 10 bezahlt. Die restlichen wurden geklaut. Ich habe sogar mitbekommen, dass einige eurer Lieder zum kostenlosen Download im Internet herumschwirren. Sorry Leute! “ Das ganze Geld, dass ihr mühsam zusammengelegt hattet ist auf nimmer wiedersehen verschwunden. Die Ersparnisse sind weg und es ist auch kein weiterer Geldsegen in Aussicht. Die Band löst sich auf, da jeder von euch einen Nebenjob annehmen muss und einen Teil der Instrumente verkaufen muss, um das geborgte Geld zurückzahlen zu können. Ein ganzes Jahr der Arbeit und Entbehrungen umsonst. Das war’s mit der Band! Natürlich war das nur die Kurzform eines typischen Szenarios, welches für unzählige musikalische Kreativlinge steht. Es ist tatsächlich so, dass man es sich mittlerweile finanziell leisten können muss Musik zu machen. Somit schadet jede unbezahlte Schwarzbrennerei und jeder illegale Download den fleißigen Künstlern und der musikalischen Zukunft. Wer also von der Musik einer Band begeistert ist, sollte diese auch unterstützen und deren CDs kaufen, denn nur so ist gesichert dass diese überleben und weiterhin ihren Sound an uns weitergeben können. |