Blau ist nicht jedermanns Farbe
Dienstag, 25. November 2008 um 08:35 Uhr

[von Lisa Rose, 7 f, RSU Unterpfaffenhofen, veröffentlicht auf textspirit.de]

Wie in einer Achterbahn geht es einmal nach rechts, links und dann wieder nach oben. Langsam wird mir wirklich schlecht, plötzlich aber verlangsamt das glitschige Rollband unter mir.
Doch da, was ist denn das? Ein silbernes Monster kommt rasend schnell auf mich zu. „Hilfe“, schreie ich verzweifelt, denn das Ungeheuer will mich anscheinend umbringen. Voller Angst warte ich auf den Moment indem es auf mich nieder saust. „Das tut ja gar nicht weh, es hat nur ein bißchen gekitzelt“, stelle ich verwundert fest nachdem es vorbei ist. Nun schmückt mich an einer meiner Ecken ein Rand. Doch leider habe ich mich zu früh gefreut, denn jetzt geht der Transport auf diesen schwarzen Bahnen weiter. Auf einmal packt mich eine weiße Hand. Das fühlt sich komisch an, so wie keine reale Berührung, sondern wie Plastik. Unsanft lande ich in einem Karton mit vielen anderen Blättern. Um mich herum ist es dunkel und der Behälter scheuert meine empfindlichen Ränder auf. Dann fängt die Verpackung auch noch an zu zuckeln und ruckeln und mir wird so schwindelig, daß ich beinahe in Ohnmacht falle. Ich schließe lieber die Augen und schlafe bis dieser Höllentrip zu Ende ist.

Schläfrig öffne ich meine Augen und erschrecke furchtbar. „ bin ich denn hier auf einer Müllhalde“? Doch da erkenne ich, daß das Ding auf dem ich liege ein Schreibtisch ist. Da knallt auch noch eine Tür hinter mir zu und ein großer hagerer Mann betritt den Raum. „ Verdammt noch mal, jetzt muss ich wieder mal blaue Briefe schreiben und auch noch so viele!“. Ich harre ängstlich auf mein Schicksal als das Lebewesen zum Stift greift und ansetzt. Die Feder kratzt auf mir und das erste Wort ist geschrieben. Es ist Adrenalin pur, denn es ist wohl das schönste was einem Blatt wohl passieren kann, sozusagen die Erfüllung. Ich entspanne mich und als er zu Ende geschrieben hat, warte ich gespannt was nun passieren wird.
Da holt der Mann einen Umschlag, ein neues Kleid für mich, faltet mich und steckt mich hinein. Dem Mädchen,  dem er mich übergibt, war unbemerkt von mir in Zimmer gelangt. Als ich im blauen Kleid in des Kindes Hand liege höre ich sie schluchzen: „Ein blauer Brief, das darf nicht war sein!“. Als die Tür des Direktorenzimmers hinter ihr zu fällt fängt sie hemmungslos an zu weinen. „Sehe ich so schlimm aus, oder mag sie blau nicht?“, frage ich mich voller Sorge. Einen halben Tag lang wurde ich durch ein Schulhaus geschleppt. Doch der schrecklichste Moment für das Mädchen ist, dass  sie mich ihren Eltern geben muss. Ich empfinde das jedoch als pures Glücksgefühl, den nun werde ich mein Schicksal erfüllen.
„Oh, ein blauer Brief“!“, ruft die Mutter entsetzt, als sie mich erblickt. Als ich weiß nicht, ich dachte, daß mir blau steht. Na ja, Menschen eben. „ ach das ist doch nicht so schlimm“ meint da der Vater des Mädchens. Na wenigstens einer der mich mag wie ich bin. „Meint ihr, dass ich es trotzdem schaffe“? fragt das Kind zweifelnd.
Nachdem die Eltern bejaht haben bestätigen sie meine Ankunft in der Schule und ich darf hier bleiben.
Als alles geklärt ist, ziehe ich in mein neues Zuhause, eine Vitrine ein. Obwohl ich rundum Glücklich bin beschäftigt mich die Frage warum die Menschen  blaue Briefe aus der Schule nicht mögen.
Aber das wird für mich wohl immer ein Rätsel bleiben!!!!!!!!!