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[Marlies Müller, 10c, RSU Unterpfaffenhofen, veröffentlicht auf textspirit.de]
Jetzt bin ich wach, wir wurden alle gleichzeitig per Pfeife geweckt. Ich hasse dieses schrille Geräusch der Pfeife, vorallem am Morgen. Ich bin noch so müde, am liebsten würde ich noch weiter schlafen, aber ich muss ja gleichzeitig mit den anderen ins Gemeinschaftsbad gehen. Da angekommen ziehe ich mich aus und stelle mich unter die Dusche. Das Wasser ist kalt, ich bekomme Gänsehaut am ganzen Körper bevor ich es wärmer drehen kann. Am liebsten wäre ich jetzt alleine, es geht mir auf die Nerven immer die Anderen um mich zu haben. Ich habe es mir einfacher vorgestellt hier zu sein. Mittlerweile vermisse ich meine Mutter und meine kleine Schwester sehr. Es sind schon drei Monate vergangen seitdem mein Onkel mich hier her brachte. Es war nicht meine Idee, denn eigentlich will ich gar nicht hier sein. Aber ich muss. Vor sechs Monaten sind mein Vater und mein älterer Bruder bei einem Bombenanschlag ums Leben gekommen. Meine Augen füllen sich mit Tränen, denn auch wenn es jetzt schon ein halbes Jahr her ist, macht es mich noch genauso traurig wie früher. Ich bin froh, dass ich gerade dusche, denn dann kann keiner der Anderen sehen wie ich weine! Der Bombenanschlag wurde von einer Gruppe Iranern durchgeführt. Unser Land kämpft schon lange gegen den Iran und der Iran gegen uns, den Irak. Ich seife mich ein und das lasse das warme Wasser über meinen Körper laufen. Endlich wird mir warm. Trotz dieses Bombenanschlags hasse ich die Iraner nicht, der Tod meines Vaters und meines Bruders macht mich zwar sehr traurig, aber ich finde es einfach dumm allen Iranern die Schuld daran zu geben. Mein Onkel aber hat gemeint, dass unser Familienname nun von diesen Iranern beschmutzt worden ist und ich das und den Tod meines Vaters und meines Bruders rächen müsste. Ich habe ihm gesagt ich fände es falsch, aber er hat mich einfach hier her gebracht. In dieses Ausbildungslager für Terroristen. Ich nehme etwas Shampoo und reibe es mir in die Haare. Ich habe furchtbare Angst davor, jemanden etwas anzutun, aber da muss ich wohl durch. Ich denke mir einfach immer wieder, ich tue dass alles nur für meine Familie. Ich wasche mir das restliche Shampoo aus meinen Haaren. Ich steige aus der Dusche. Plötzlich wird mir wieder kalt und ich trockne mich schnell mit meinem Handtuch ab und ziehe mich an. Ich hasse einfach alles hier und will wieder zu meiner Familie. Ich vermisse sie so sehr! Mir kommen schon wieder die Tränen, aber diesmal kann ich sie noch verdrängen bevor es jemand sieht. Ich will nur das dieser Tag endet, damit ich mich heute Abend wieder in mein Bett legen kann und mir wenigstens die Fotos meiner Familie und meiner Heimat ansehen kann, wenn ich schon nicht dort sein darf.
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