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[Quirin Lippl, 10 e, RSU Unterpfaffenhofen, veröffentlicht auf textspirit.de]
Das Rezept anstarrend denke ich mir: „So noch ein wenig Salz.“ Ich habe das Rezept schon so oft gekocht, trotzdem lese ich immer wieder nach. Irgendwie ist das so bei mir. Naja egal. „Wann kommt er endlich nach Hause. Schon zehn nach eins. Sonst ist er doch immer so pünktlich.“ Ich suche einen Löffel, nehme aus dem Topf ein kleines Stück, führe es zum Mund und probiere es. Der Geschmack des Eintopfes strömt über meine Zunge. Es schmeckt gut. Ich trage den Topf hinaus ins Esszimmer und lege den Löffel daneben. Auf einmal höre ich einen Schlüssel der ins Schlüsselloch geschoben wird. Das Schloss sperrt auf. Mein Sohn, Quirin kommt durch die Tür, die Musik aufgedreht. „Endlich ist er da, hab mir schon Sorgen gemacht.“, denke ich. Mit belegter Stimme sagt er „Servus“, legt seine Tasche beiseite und verschwindet in Richtung Ankleide. Ich nehm’ die die Brotzeitbox und seine Trinkflasche aus seinem Rucksack raus und frage in Erwartung Gutes zu hören „Gibt’s was Neues?“. „Irgendwie komisch“, denke ich mir, „Warum frage ich eigentlich jeden Tag. Sowie ich ihn kenne sagt er sowieso wieder ‚Nö’.“ „Näh“ kommt es als Antwort. „Hab ich’s doch gewusst.“, denk ich mir. „Sag mal was macht ihr eigentlich den ganzen Tag in der Schule?“, frage ich seufzend. Er kam von Richtung Umkleide zurück, immer noch mit hängendem Kopf und traurigem Gesicht. „Was ist los?“, frage ich argwöhnisch und schon auf eine schlechte Neuigkeit gefasst. „Hier wir haben heut Deutsch raus bekommen.“ Er hielt mir eine Schulaufgabe unter die Nase. „Was nun? Er sagte sie haben nichts rausbekommen.“, überleg ich mir. Die Note konnte ich nicht erkennen, weil er sie mir mitten vors Gesicht hielt. Mit verschwommenem Blick ging ich einen Schritt zurück. Hinter dem Blatt kam es hervor „Ich hab ne 5“. Als ich das hörte wurde ich wütend. „Warum kann er nicht einmal eine gute Note schreiben?!“, dachte ich mir. In mir kochte die Wut auf. Doch dann sah ich die Note die auf der Ecke der Schulaufgabe prangte. Es war gar keine 5. Das war eine 2. Eine gute 2. Verdutzt sah ich ihn an. Er grinste wie ein Honigkuchenpferd. „Ach, wollte dich nur reinlegen.“, sagte er lächelnd. Als ich ihn so sah wurde ich erst noch wütendender und dann wurde ich froh darüber, dass er eine gute Note hat. „Mann, Junge warum musst du mich denn verarschen?“, fragte ich lachend. „Will ja auch mal meinen Spaß haben.“, antwortete er. „Achja…Was gibt’s denn zum Essen?“, fragte er grinsend und ging in Richtung Esszimmer. |