Die Weihnachtskugel
Mittwoch, 21. Dezember 2011 um 00:00 Uhr

[Katharina H. 8. Klasse und Claudia C. 9. Klasse, RSU Unterpfaffenhofen, veröffentlicht auf textspirit.de]

Hallo! Ich bin eine pink glänzende, männliche Weihnachtskugel in einer amerikanischen Familie und die wirklich einzig besondere hier im Haus von Familie Bridge.

Ach ja! Da wären auch noch diese Kinder, die den Baum vorletztes Jahr umgeworfen haben und dabei sind alle meine pinken Freunde heruntergefallen und zerbrochen. Jetzt liege ich hier ganz allein herum, na ja das heißt fast, denn neben mir liegt noch so ein billig Teil vom Aldi. Diese dumme, nervige Kugel ist klein, blau, matt und sie kugelt die ganze Zeit nur hin und her. Es ist ja fast schon Kugelquälerei, denn Frau Bridge backt jetzt schon seit ich hier in meiner einsamen dunklen Kiste liege Plätzchen, egal ob mit Schokolade, Marzipan, Nougat oder mit Zimt und ich darf diese nicht einmal probieren. Na ja, egal.

Ich glaube, dass dieses Weihnachten ganz besonders wird, denn vorletztes Jahr, als der Weihnachtsmann schon alle Vorbereitungen fertig hatte und das letzte Geschenk in den Kamin geworfen hatte, plumpste er mit hinein und blieb stecken. Mir war das ja egal. Ich mochte ihn nicht besonders, denn er war dick, hat nach Schweiß gerochen und er hat es nicht einmal geschafft, die Geschenke zu verpacken.

Ich war schon ganz aufgeregt auf das diesjährige Weihnachtsfest, denn am 20.12. stand in der Zeitung eine Anzeige: "Weihnachtsmann gesucht". Es war der 23. Dezember und Frau Bridge und ihre Kinder waren ebenfalls aufgeregt und freuten sich auf das morgige Fest.

Frau Bridge besorgte noch die Weihnachtsgans für das Mittagessen. An diesem Abend war ich besonders müde, ich schloss meine Augen und schlief ein. Plötzlich hörte ich, wie es im Kamin polterte. Ruckartige öffnete ich meine Augen und ich konnte gar nicht fassen, was ich da sah: Eine Gestalt mit Minirock, weit ausgeschnittenem T-Shirt, langen blonden Haaren, blauen Augen und einer perfekten Figur. Es war die Weihnachtsfrau, die sich auf die Anzeige "Weihnachtsmann gesucht" beworben hatte. Sie war durch den Kamin geschlüpft und legte die Geschenke für die Bridgens unter den Weihnachtsbaum. Sie schaute auch noch in meinen pink glänzenden Körper und richtete sich ihre Frisur zurecht. Ich war so aufgeregt, dass ich, als ich in ihre Augen schaute, fast vom Baum gefallen wäre.

Nun ging sie zum Kamin und kletterte wieder hinauf. Sie war mit ihrem Rock am Kamineck hängengeblieben, so dass sich ....ups, jetzt würde es ein bisschen peinlich werden, wenn ich euch noch weiter erzähle würde, aber ich könnt es auch ja sicherlich zu Ende denken.

Neben mir war ja auch noch diese dumme kleine Kugel, die alles mithörte. Bevor ich auch noch weiterreden konnte, schlief ich ein.

Am nächsten Morgen - den 24. Dezember - waren alle ganz aufgeregt. Frau Bridge war die erste am Morgen, die ins Wohnzimmer ging, um die Kerzen am Weihnachtsbaum anzuzünden. Es wurde auch für mich ganz schön warm, weil direkt neben mir eine Kerze brannte. Ich brachte meine Gedanken einfach nicht von dieser wunderschönen Gestalt weg.
Die beiden Kinder von Frau Bridge waren auch wach und gerade auf dem Weg ins Wohnzimmer. Mit aller Freude und einem breiten Grinsen im Gesicht packten sie - nachdem die Eltern zur Bescherung geklingelt hatten - ihre Geschenke aus.
Danach gab es Mittagessen und ich musste zusehen, wie es allen schmeckte. .....Aber gut ......

Für mich war dies das schönste Weihnachten, das ich je erlebt hatte und ich freue mich schon wieder auf nächstes Jahr und auf die Weihnachtsfrau. Von mir aus kann der Weihnachtsmann für immer im Kamin bleiben.

Ich wünsche Euch allen noch schnell schöne Weihnachten, denn ich werde bald aus meiner einsamen, dunklen Kiste geholt und darf das schönste Fest im Jahr wieder mitfeiern.